Dunkel war's der Mond schien hell
(Hörprobe-Ausschnitt, mp3, 1:33)
Die Dämmerung schleicht sich heran
in hellschwarzem Gefieder
und lässt sich süffisant
auf Tisch und Garten nieder
Hier sitze ich bei einem Bier
und trink mit ein paar Schlampen
Heut funkeln nur die Gläser
im Schein der Straßenlampen
Heut blitzt kein Stern im Dunkelgrau
es ist zu trüb und schwül
Wir quatschen und wir trinken
nach Laune und Gefühl
Der Abend geht, die Nacht erwürgt
das Bild der grauen Katze
und färbt sie schwarz wie meine
aschfahl graue Fratze
Die Schlampen streiten, ob mein Stern
als Steinbock oder Stier
am Himmel steht. Es langweilt
mich. Ich trinke Bier
Die Dummheit strahlt unendlich weit
ins tiefe schwarze All
Bodenlos, ohne Niveau
verhallt ihr Redeschwall
Auch ich schau blöd die Leere an
und denk: dies ist das Leben
so tief und sinnlos flach
gleichzeitig rund und eben
Egal. In dieser schwarzen Nacht
sieht man mein Sternbild nicht
nur schwarze Punkte, Fliegen
um das Laternenlicht
Sonst ziemlich dunkel um mich rum
so schwarz wie Langeweile
Doch die Weiber quatschen
als wären sie in Eile
Ich schütte noch ein dunkles Bier
auf meine schwarze Galle
Ade, sag ich. Dies Wort
verhindert, dass ich lalle
Sag mich errege ihr Geschwätz
und das sei auch der Grund
dass ich nun ginge. Mein Stern-
bild sei der Schweinehund
Dann nehm ich meine dunkle Kluft
Schwarz ist mein Jackett
und geh allein nach Haus
in mein kühles Bett
Ja, dunkel war's der Mond schien hell
damit ich mich nicht quäle
ging ich betrunken schlafen
mit meiner schwarzen Seele
Michael Lösel
Die kompletten Texte sind zu hören unter:
Kultur- und Bildungsserver für den Großraum Nürnberg
Gedenken
(Hörprobe-Ausschnitt, mp3, 1:42)
Es wird wieder Herbst und wieder kalt
wie all die Jahre. Ich fühle mich alt
und sterbemüd'. Die Zeit galoppiert
Ich schaue in eisigen Wind, mich friert
Suche den Vater am Friedhof auf
sein Efeugrab, lege Blumen darauf
die habe ich ihm heute mitgebracht
und denke an ihn in dieser Nacht
Schlage den Kragen hoch, und den Hut
drücke ich fester. Es tut schon gut
mal innezuhalten für den Alten
Schließlich habe auch ich schon Falten
Er lehrte mich, die Ahnen zu ehren
aber auch Jungfrauen zu begehren
Er sagte: Treib's solange du kannst
bevor du als Pflegefall abdankst
Er hat mir Prinzipien eingebläut
und sich im Suff nicht davor gescheut
Worte zu wählen, zotig-barsch
wie das berühmte Leck-mich-am-Arsch
Und als meine Nase zu tropfen begann
und der beißende Wind eine Träne auswrang
verließ ich das überwucherte Loch
weil Frost in meine Stiefel kroch
Jenseits des Ackers glomm Licht in der Ferne
vom Nasenschild irgendeiner Taverne
In diese Richtung stakste ich steif
gefroren und gepudert von Reif
Ich erhoffte mir dort menschliche Wärme
und Drinks. Gegen die kühlen Gedärme
und gegen die düstere Grübelei
heilsam wärmende Arznei
Und wirklich: In dieser trüben Schänke
gab's nicht nur diverse scharfe Getränke
um meine Melancholie einzutunken
auch scharfe Frau’n und diverse Halunken
wie freie Künstler und Studenten
kurz: die üblichen Schlafresistenten
die Witze reißen mit lautem Organ
Man tanzte Tango auf dem Vulkan
Ich sah sie frivol das Tanzbein schwingen
hörte sie lauthals lachen und singen
Und von wegen morgiger Kater
mehrfach trank ich auf meinen Vater
und beschloss, das weit're Gedenken
weg vom Tod auf das Leben zu lenken
Ich weiß nicht mehr, wo ich schlief jene Nacht
aber ich bin wieder aufgewacht
Michael Lösel