PRESSE/REAKTIONEN
Der Literaturblog der Nürnberger Nachrichten |
... zeigt einen Ausschnitt der literarischen Führung durch das Albrecht-Dürer-Haus und bebildert kongenial die Kritik von Bernd Noack. Die ausführlichen Texte und Performances der beteiligten Autoren können anhand einer Broschüre zu dieser Mus[e]en-Lesung im Kopfkino betrachtet werden. Die Broschüre ist im Albrecht-Dürer-Haus erhältlich oder kann hier bestellt werden. |
|
Doppelbödiges über Dürer "Mus[e]en-Lesungen" widmen sich Nürnberger Meister" |
Die Projektgruppe "Mus[e]en-Lesung", die seit geraumer Zeit verschiedene Nürnberger Museen literarisch unter die Sprach-Lupe nimmt, macht derzeit Station im Albrecht-Dürer-Haus. Etwas skeptisch blickt die Mutter des Meisters im Wanderer-Zimmer des Albrecht-Dürer-Hauses von der Wand aus auf die Szenerie: Was erzählen diese fünf Dichter, die mit einer Handvoll Lauschender im Schlepptau seit 90 Minuten durch die Stockwerke wandeln, da über ihren Sohn? Nur Gutes, manch Komisches, mitunter Rätselhaftes, brav Anekdotisches oder auch Erhellendes. Und jetzt singt auch noch einer: "der tod so nah wie / erinnerung der vision / dem leeren blick / das offene fenster / verschatteten ahnens / im bann letzter dinge / jenseits des rahmens ..." Nein, Dürers Mutter muss nicht alles verstehen, was die Nachwelt so über ihren Albrecht und seine Kunst philosophiert. Dabei sind es gerade die Texte, die sich gedanklich weiter entfernen von der gebügelten Biografie des Malers, die einen ganz anderen, überraschenden Blick auf einen sattsam Bekannten ermöglichen. Was Dürer und seine Werke in den Köpfen der Nürnberger Literaten Michael Lösel, Andreas Neuner, Günter Körner, Holger Trautmann und Paul S. Wolff an Assoziationen, Abschweifungen und Staunen hervorgerufen hat, sind kleine Bausteine für das große Puzzle eines Lebens. Mit dem gebotenen Respekt platzieren die fünf zwischen Stichen und musealem Alltagskram ihre Spitzfindigkeiten, räsonieren über Motive in Dürers Bildern, tauchen in die Vergangenheit ein, klammern sich an Details oder erfinden Geschichten, wie sie sich garantiert nicht zugetragen haben können. |
Eindrücke von der Mus[e]en-Lesung "Stiche und andere Spitzfindigkeiten", Fotos von Bob Radek Auf Treppenabsätzen, in Kabinetten, neben der Küche und im unaufgeräumten Arbeitszimmer stehen die Zuhörer auf knarzenden Dielen und tauchen mit ein in einen (Bild-) Kosmos, der mal so klar und perfekt ist und gleich wieder geheimnisvoll und doppelbödig: die Dichter erfinden sich Alt-Nürnberger Szenen, spekulieren über die Seelenlage des Meisters, stürzen sich auf Übersehenes in "Ritter, Tod und Teufel" oder der "Melancolia" und finden immer wieder einen Bezugspunkt zu ihrer (und unserer) ganz privaten Gegenwart: Auch ein Comic-Zeichner kann sich schließlich manchmal fühlen wie ein Kupferstecher. Lyrik und Prosa, derbe Mundart und nachdenkliche Lieder: Im Dämmerlicht der Schusterkugel vermischen sich die Künste, die Sprache taucht ein in die Welt der Malerei, und man hat am Ende seiner ungewöhnlichen Reise durch das Universum des großen Dürer mit Sicherheit für sich selber ein kleines Geheimnis entdeckt. Bernd Noack, Nürnberger Nachrichten, 16. 04. 2011
|
Von Panzern und niedlichen Püppchen |
"Kreisel und andere Zaubereien": Unter diesem Motto lud das Spielzeugmuseum zum literarischen Rundgang ein. Warum er sich ausgerechnet das prächtige Puppenhaus aus dem Jahre 1910 als Motiv für den Fotografen herausgesucht hat, obwohl er selbst doch lieber mit Autos gespielt hat? Diese Frage kann Michael Lösel leicht beantworten: Literarisch aufgearbeitet hat Lösel dieses Schicksal in einer Kurzgeschichte mit dem Titel "Noras Puppenhaus".
Foto 01: Paul S. Wolff erinnert mit dem Zauberstab an den Zauberkasten, den er als Kind vermisste. Er hätte sich gerne eine Schwester gezaubert. (Matejka) Dieter Diehnelt zum Beispiel zeigt sich fasziniert von der Welt der Puppen – zu hören in dem Gedicht über das "Püppchen", das er vor der Museumsvitrine mit den vielen schönen Sammelstücken vorträgt. Das ganze Spielzeugmuseum sei eine Idylle, die ihn stark an die eigene Kindheit erinnere, sagt der frühere Lehrer, der sich jetzt ganz dem Schreiben widmet. Er selbst habe früher allerdings nicht mit Puppen gespielt, sagt Diehnelt. "Ich war ein Nachkriegskind und war viel in der freien Wildbahn unterwegs. Wir hatten nichts." Mit einem Onkel bastelte er Panzer aus hölzernen Zwirnspulen, die sich aufziehen ließen und dann "gespenstisch lautlos über die Tischplatte krochen und alle Hindernisse überwanden, die sich ihnen in den Weg stellten".
Foto 02: Dieter Diehnelt ist fasziniert von Puppen – und hatte als Kind der Nachkriegszeit kaum eigenes Spielzeug. (Matejka)
|
Das Museum mit anderen Augen zu sehen, in den Ausstellungen neue Perspektiven zu entdecken – das ist das Ziel der "Mus[e]en-Lesungen", die von mehreren freien Autoren ins Leben gerufen wurden und die in alle städtischen Museen führen sollen. Die Reihe startete im Museum Industriekultur, nach dem Spielzeugmuseum, in dem der Lese-Rundgang noch dreimal stattfindet, geht es im Albrecht-Dürer-Haus weiter. Die Texte seien eigens für die jeweiligen Häuser geschrieben, sagt Diehnelt. Doch wollen die Autoren die Museen nicht als bloße Kulisse oder ausgefallenen Präsentationsort benutzen, wie Moderator Holger Trautmann betont. Sie seien vielmehr idealer Ort literarischen Arbeitens und "eine Quelle der Inspiration".
Foto 03: Michael Lösel lässt heute noch die Puppen tanzen: Er musste immer mit seinen Schwestern spielen. (Matejka) Deshalb stimmen die Schriftsteller ihr Publikum auch musikalisch auf einige Beiträge ein. Und Günter Körner greift zum Tischtennisschläger, bevor er seine Geschichte "Pingpong" liest. Bis heute liebt er das Spiel mit dem kleinen Ball aus Zelluloid, verrät der Zahnarzt, der auch Vizepräses des Pegnesischen Blumenordens ist, und erzählt von seiner früher "unerfüllbaren Sehnsucht" nach einer eigenen Platte. "Wir spielten gegen die Wand und auf dem Esstisch, und dabei ging natürlich alles Mögliche kaputt".
Foto 04: Günter Körner träumte als Bub von einer eigenen Tischtennisplatte, doch ihm mussten Wände und Tische reichen. (Matejka) Paul S. Wolff präsentiert sich dem Publikum unter anderem mit Hut und Zauberstab. Als Kind habe er sich immer gewünscht, zaubern zu können, erzählt der 36-jährige. "Denn dann hätte ich mir die Schwester gezaubert, die ich leider nie hatte." Doch einen Zauberkasten bekam er nie. Silke Ronnefahrt, Nürnberger Nachrichten 10. 01. 2011, Fotos von Michael Matejka
Weitere Termine der Mus[e]en-Lesungen im Spielzeugmuseum: 23. Januar, 6. und 20. Februar
|
Spielen ist eine ganz ernste Sache Lesung im Spielzeugmuseum |
Kinder spielen sich ins Leben. So lernen sie den Umgang mit Dingen, Menschen, sich selbst und der Welt. Die sechs Autoren, die zur Mus[e]en-Lesung ins Spielzeugmueum luden, wissen das genau. Dank ihrer künstlerischen Seele ist ihnen klar, dass Spiel keine Spielerei ist, nichts zufälliges, sondern quasi der Hauptberuf jeden Kindes. Eine ernste Angelegenheit. Und vor allem haben sie die schönsten Erinnerungen an die eigene Kindheit, die natürlich in ihren Texten aufschimmern. Von Moderator Holger Trautmann mit Charme durch die Nürnberger Sammlung geführt, hörten die Gäste Geschichten, die die Schriftsteller speziell für den jeweiligen Ort, für bestimmte Exponate, verfasst hatten. Sprech-Chansonnier Michael Lösel begann mit einem melancholischen Talking-Blues über den Kreisel des Lebens, der mit dem Spielzeug beginnt, mit dem Liebes- und Alkoholkarussell weitergeht und in manch runder Bewegung endet. Seine Gitarre erzeugte als Soundhintergrund ganze Filme im Kopf. Dieter Diehnelt ließ sich von Abzähl-Reimen zu einer Reflexion über Konkurrenz und Mitmenschlichkeit inspirieren. Dann, passend in der Puppenhaus-Abteilung, Lösels modern-surreale Story von Nora, die sich selbst in der Puppenstube entdeckt. Da kam eine Aufheiterung recht, die Paul Wolff mit seiner Kaufladen-Geschichte über ein pfiffiges Mädchen bot. Die Kleine zockt ihre Eltern ab, indem sie ihnen ihr unehrliches Verhalten vorhält. Diehnelt ergänzte das Mädchen-Sujet um ein "Püppchen", das romantischen Träumen nachhängt, aber von einem Mann ausgenützt wird. Weiblichkeit aus einer anderen Zeit. Unvermeidlich das Thema Modellbau. Bei Andreas Neuner opferte ein Mann 24 Jahre für eine 30 Quadratmeter-Welt und bekam Angst, als sie fertig war. |
Vor den 50er Jahre-Vitrinen berichtete Diehnelt etwas unkritisch von einem Kriegsonkel, der mit seinem Neffen Spielzeugpanzer baut. Ein Höhepunkt war die Abschluss-Szene voller Wortwitz mit verteilten Rollen, bei der Vater und Sohn am Strand ein Ratespiel austragen. Eine gehalt- und gefühlvolle Führung, die das Spielzeugmuseum von innen interpretierte. Claudia Schuller, Nürnberger Nachrichten 15. 11. 2010
|
Spülmaschinen und die Einsamkeit entlassener Arbeiter |
Von Hoffnung und Enttäuschung sowie ganz persönlichen und zugleich kollektiven Erinnerungen wollte die erste Mus[e]en-Lesung im Museum Industriekultur erzählen. Gelungen ist ihr das auf vielfältig amüsante Weise. Die literarische Führung durch die Adler-Sonderausstellung ist geschickt konzipiert. Nicht nur geografisch werden alle bedeutenden Punkte gestreift, auch in der Zeit schreitet die Lesung voran: Kaum wurde der Aufschwung mit Eisenbahn und Elektrogeräten bejubelt, beginnt schon der Abstieg. Petra Schneiders Werbegedicht über das "Erlebnisbad für Teller und Tassen" – die neue AEG-Spülmaschine – ist Vergangenheit, wenn sie kurz darauf über die Einsamkeit eines entlassenen Arbeiters erzählt. Schwer ins Tragisch-Groteske übersteigert ist Günter Körners Beitrag über das Geschäft mit der Verzweiflungstat, über die ein ehemaliger Quelle-Mitarbeiter nachdenken könnte. |
Als gewiefter Manager mit schwarzer Sonnenbrille und Quelle-Krawatte macht er den 90 Meter hohen Quelle-Turm als Sprungturm schmackhaft. Sein Poetry-Slam-haftes Fabulieren ist nicht nur inhaltlich, sondern auch qualitativ ein Höhepunkt der ungewöhnlichen Lesung. Über Abzeichen, Knöpfe, Anstecker und Schraubensammlungen wird dann allmählich die Gegenwart mit ihrem alltäglichen Verkehrschaos erreicht. Und auch wenn der Arbeitgeber nicht mehr Quelle, sondern Datev heißt, Wunder geschehen auch heute noch – so zumindest in der letzten Erzählung von Paul S. Wolff. Weitere Führungen am 16. und 30. Oktober um 15.30 Uhr im Museum Industriekultur, Äußere Sulzbacher Straße 60. Jasmin Siebert, Nürnberger Nachrichten 04. 10. 2010
|
Lesereihe in Museen |
Unter dem Namen "Mus[e]en-Lesungen" startet im Oktober eine neue Veranstaltungsreihe der verschiedenen städtischen Museen. Dabei tragen Frei Nürnberger Autoren eigens erstellte Texte zu den entsprechenden Museumsobjekten vor.
|
Genau das wurde deutlich als Dieter Diehnelt seinen Text "Magnolienschön" an der Station des Nürnberger Justizpalasts vortrug. So verbindet sein Text nicht nur historische, sondern auch persönliche Erinnerungen an das alte Gebäude, die er mit den Zuhörern teilt. sr, Nürnberger Zeitung 02. 10. 2010 |
Literarisch auf den Spuren des Adlers |
Acht Nürnberger Autoren haben die Muse ins Museum gelockt und bieten literarische Führungen durch das Museum Industriekultur, das Spielzeugmuseum und das Dürerhaus.
|
Die eigene Erinnerung oder der persönliche Bezug des Autors zu einem bestimmten Ausstellungsstück ist immer der Aufhänger für die Geschichte. Der erste literarische Gang durch die Sonderausstellung "Die Strecke des Adlers" im Museum Industriekultur, Äußere Sulzbacher Straße 60, ist am Samstag, 2. Oktober um 15.30 Uhr und wird am 16. und 30. Oktober zur gleichen Zeit wiederholt. Außer dem Museumseintritt fallen keine weiteren Kosten an. |
In Nürnberg boomt die Leselust Literatur auf Bestellung - Lesen und lesen lassen: Neue Initiativen in Nürnberg |
"Literaturding" für Autoren aus der Region [...] Einen ganz anderen Ansatz verfolgen die Autoren Andreas Neuner und Michael Lösel, die das Problem der Literaturvermittlung in Nürnberg grundsätzlich angehen und große Pläne schmieden. Sie haben den Verein Literaturding gegründet, der sich als Netzwerk und Plattform für Autoren aus der Region versteht. Unter dem Vereinsdach laufen bisher drei Langzeitprojekte: Die ambitionierte Literatur-Zeitschrift Blumenfresser, die Autorengruppe Wortwerk und die Textarena, eine offene Lesebühne in der Zwingerbar. »Wir wollen einheimische Autoren, die überwiegend Einzelkämpfer sind, stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen«, erklärt Michael Lösel. Das Literaturding versteht sich als Dachverband, der grundsätzlich offen ist für alle Autoren, bekannte ebenso wie unbekannte. Angestrebt wird auch eine Kooperation mit Institutionen, die sich bisher schon mit dem Thema Literatur und Leseförderung beschäftigt haben.
|
Konkrete Pläne Es gibt auch schon zwei konkrete Projekte: Das eine ist eine Lange Lyrik-Nacht, die am 29. Oktober im Künstlerhaus stattfinden soll. Mit unkonventionellen Auftritten sollen fünf Autoren vor allem ein junges Publikum für zeitgenössische Poesie begeistern. »Lyrik berührt, Lyrik ist spannend, Lyrik macht Spaß«, erklärt Andreas Neuner. Angedacht sind auch eine Begleitbroschüre und ein Hörbuch mit den Textbeiträgen der Autoren. Steffen Radlmaier, Nürnberger Nachrichten 30. 7. 2010
|