Rundgang in Form eines Taschenbuchs
Fleiß und andere Köstlichkeiten

Erhältlich im Museum Industriekultur
ISBN 987-3-940594-29-7
  Publikation zu Mus[e]en-Lesungen

Die "Mus[e]en-Lesungen" gibt es jetzt auch als Buch: "Fleiß & andere Kostbarkeiten", ein literarischer Rundgang durch das Museum Industriekultur, liegt als Taschenbuch vor, erschienen im Nürnberger Tümmels-Verlag. Geplant sind auch Veröffentlichungen zu den anderen beteiligten Museen.

Vor etwa einem Jahr hatte sich eine Projektgruppe um den Autor Michael Lösel zusammengetan, um sich in verschiedenen Nürnberger Museen von den Exponaten inspirieren zu lassen. Entstanden sind Führungen, bei denen die beteiligten Autoren kleine oder größere Geschichten zu den Ausstellungsstücken vortragen.

Ergänzende Informationen

Im Falle von "Fleiß & andere Kostbarkeiten" sind das 13 Texte. Das Buch, das für sieben Euro zu haben ist, enthält außerdem 27 Fotos mit Bildbeschreibungen und liefert Hintergrund-Informationen zu den Objekten und Ereignissen, auf die sich die Beiträge der Autoren beziehen. Matthias Henkel, Direktor der städtischen Museen, hat ein Geleitwort geschrieben.

(Nürnberger Nachrichten 6. 10. 11)

 

 

 

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Aus dem Inhalt:
1. Zahnkreiszeit / Gipsmühle (Günter Körner)
2. Klassenfoto, vergilbt (Dieter Diehnelt)
3. Vor dem Spiegel / Friseur (Michael Lösel)
4. Das Anliegen / Drehbank (Paul S. Wolff)
5. Kolonialwarenladen / Kakao (Dieter Diehnelt)
6. Ungeheuer / Dampfmaschine (Michael Lösel)
7. Warte, bis es dunkel wird / Kino (Paul S. Wolff)
8. Volksempfänger 48 (Günter Körner)
9. Zur Brückenbauwirtschaft / Das alte Lied (Michael Lösel)
10. Die Ablösung / Mobilität (Holger Trautmann)
11. Auf dem Rad (Michael Lösel)
12. Messe der Elektronen / Umspannstation (Günter Körner)
13. Kinder des Prometheus (Dieter Diehnelt)

Der Literaturblog der Nürnberger Nachrichten

... zeigt einen Ausschnitt der literarischen Führung durch das Albrecht-Dürer-Haus und bebildert kongenial die Kritik von Bernd Noack.

Die ausführlichen Texte und Performances der beteiligten Autoren können anhand einer Broschüre zu dieser Mus[e]en-Lesung im Kopfkino betrachtet werden.

Die Broschüre ist im Albrecht-Dürer-Haus erhältlich oder kann hier bestellt werden.

 

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Video von Andreas Dalberg

 


Doppelbödiges über Dürer
"Mus[e]en-Lesungen" widmen sich Nürnberger Meister"

Die Projektgruppe "Mus[e]en-Lesung", die seit geraumer Zeit verschiedene Nürnberger Museen literarisch unter die Sprach-Lupe nimmt, macht derzeit Station im Albrecht-Dürer-Haus.

Etwas skeptisch blickt die Mutter des Meisters im Wanderer-Zimmer des Albrecht-Dürer-Hauses von der Wand aus auf die Szenerie: Was erzählen diese fünf Dichter, die mit einer Handvoll Lauschender im Schlepptau seit 90 Minuten durch die Stockwerke wandeln, da über ihren Sohn? Nur Gutes, manch Komisches, mitunter Rätselhaftes, brav Anekdotisches oder auch Erhellendes. Und jetzt singt auch noch einer: "der tod so nah wie / erinnerung der vision / dem leeren blick / das offene fenster / verschatteten ahnens / im bann letzter dinge / jenseits des rahmens ..." Nein, Dürers Mutter muss nicht alles verstehen, was die Nachwelt so über ihren Albrecht und seine Kunst philosophiert.

Dabei sind es gerade die Texte, die sich gedanklich weiter entfernen von der gebügelten Biografie des Malers, die einen ganz anderen, überraschenden Blick auf einen sattsam Bekannten ermöglichen.

Was Dürer und seine Werke in den Köpfen der Nürnberger Literaten Michael Lösel, Andreas Neuner, Günter Körner, Holger Trautmann und Paul S. Wolff an Assoziationen, Abschweifungen und Staunen hervorgerufen hat, sind kleine Bausteine für das große Puzzle eines Lebens.

Mit dem gebotenen Respekt platzieren die fünf zwischen Stichen und musealem Alltagskram ihre Spitzfindigkeiten, räsonieren über Motive in Dürers Bildern, tauchen in die Vergangenheit ein, klammern sich an Details oder erfinden Geschichten, wie sie sich garantiert nicht zugetragen haben können.

 

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Eindrücke von der Mus[e]en-Lesung "Stiche und andere Spitzfindigkeiten", Fotos von Bob Radek

Auf Treppenabsätzen, in Kabinetten, neben der Küche und im unaufgeräumten Arbeitszimmer stehen die Zuhörer auf knarzenden Dielen und tauchen mit ein in einen (Bild-) Kosmos, der mal so klar und perfekt ist und gleich wieder geheimnisvoll und doppelbödig: die Dichter erfinden sich Alt-Nürnberger Szenen, spekulieren über die Seelenlage des Meisters, stürzen sich auf Übersehenes in "Ritter, Tod und Teufel" oder der "Melancolia" und finden immer wieder einen Bezugspunkt zu ihrer (und unserer) ganz privaten Gegenwart: Auch ein Comic-Zeichner kann sich schließlich manchmal fühlen wie ein Kupferstecher.

Lyrik und Prosa, derbe Mundart und nachdenkliche Lieder: Im Dämmerlicht der Schusterkugel vermischen sich die Künste, die Sprache taucht ein in die Welt der Malerei, und man hat am Ende seiner ungewöhnlichen Reise durch das Universum des großen Dürer mit Sicherheit für sich selber ein kleines Geheimnis entdeckt.

Bernd Noack, Nürnberger Nachrichten, 16. 04. 2011

 


Von Panzern und niedlichen Püppchen
Autoren ließen sich im Spielzeugmuseum inspirieren – "Am liebsten hätte ich mir eine Schwester gewünscht"

"Kreisel und andere Zaubereien": Unter diesem Motto lud das Spielzeugmuseum zum literarischen Rundgang ein.
Die beteiligten Autoren lasen Texte rund ums Spiel –
und zeigten ihr Lieblingsspielzeug

Warum er sich ausgerechnet das prächtige Puppenhaus aus dem Jahre 1910 als Motiv für den Fotografen herausgesucht hat, obwohl er selbst doch lieber mit Autos gespielt hat? Diese Frage kann Michael Lösel leicht beantworten:
"Ich hatte zwei Schwestern, eine ältere und eine jüngere, und die bestimmten was bei uns gespielt wurde."

Literarisch aufgearbeitet hat Lösel dieses Schicksal in einer Kurzgeschichte mit dem Titel "Noras Puppenhaus".
Und so wie er bauen auch die anderen Autoren, die zum literarischen Rundgang durchs Museum einladen, eigene Erfahrungen in ihre Texte ein.

Paul S. Wolff

Foto 01: Paul S. Wolff erinnert mit dem Zauberstab an den Zauberkasten, den er als Kind vermisste. Er hätte sich gerne eine Schwester gezaubert. (Matejka)

Dieter Diehnelt zum Beispiel zeigt sich fasziniert von der Welt der Puppen – zu hören in dem Gedicht über das "Püppchen", das er vor der Museumsvitrine mit den vielen schönen Sammelstücken vorträgt. Das ganze Spielzeugmuseum sei eine Idylle, die ihn stark an die eigene Kindheit erinnere, sagt der frühere Lehrer, der sich jetzt ganz dem Schreiben widmet. Er selbst habe früher allerdings nicht mit Puppen gespielt, sagt Diehnelt. "Ich war ein Nachkriegskind und war viel in der freien Wildbahn unterwegs. Wir hatten nichts." Mit einem Onkel bastelte er Panzer aus hölzernen Zwirnspulen, die sich aufziehen ließen und dann "gespenstisch lautlos über die Tischplatte krochen und alle Hindernisse überwanden, die sich ihnen in den Weg stellten".

Dieter Dienelt

Foto 02: Dieter Diehnelt ist fasziniert von Puppen – und hatte als Kind der Nachkriegszeit kaum eigenes Spielzeug. (Matejka)

 

 

Das Museum mit anderen Augen zu sehen, in den Ausstellungen neue Perspektiven zu entdecken – das ist das Ziel der "Mus[e]en-Lesungen", die von mehreren freien Autoren ins Leben gerufen wurden und die in alle städtischen Museen führen sollen. Die Reihe startete im Museum Industriekultur, nach dem Spielzeugmuseum, in dem der Lese-Rundgang noch dreimal stattfindet, geht es im Albrecht-Dürer-Haus weiter. Die Texte seien eigens für die jeweiligen Häuser geschrieben, sagt Diehnelt. Doch wollen die Autoren die Museen nicht als bloße Kulisse oder ausgefallenen Präsentationsort benutzen, wie Moderator Holger Trautmann betont. Sie seien vielmehr idealer Ort literarischen Arbeitens und "eine Quelle der Inspiration".

Michael Lösel

Foto 03: Michael Lösel lässt heute noch die Puppen tanzen: Er musste immer mit seinen Schwestern spielen. (Matejka)

Deshalb stimmen die Schriftsteller ihr Publikum auch musikalisch auf einige Beiträge ein. Und Günter Körner greift zum Tischtennisschläger, bevor er seine Geschichte "Pingpong" liest. Bis heute liebt er das Spiel mit dem kleinen Ball aus Zelluloid, verrät der Zahnarzt, der auch Vizepräses des Pegnesischen Blumenordens ist, und erzählt von seiner früher "unerfüllbaren Sehnsucht" nach einer eigenen Platte. "Wir spielten gegen die Wand und auf dem Esstisch, und dabei ging natürlich alles Mögliche kaputt".

Günter Körner

Foto 04: Günter Körner träumte als Bub von einer eigenen Tischtennisplatte, doch ihm mussten Wände und Tische reichen. (Matejka)

Paul S. Wolff präsentiert sich dem Publikum unter anderem mit Hut und Zauberstab. Als Kind habe er sich immer gewünscht, zaubern zu können, erzählt der 36-jährige. "Denn dann hätte ich mir die Schwester gezaubert, die ich leider nie hatte." Doch einen Zauberkasten bekam er nie.

Silke Ronnefahrt, Nürnberger Nachrichten 10. 01. 2011, Fotos von Michael Matejka

Weitere Termine der Mus[e]en-Lesungen im Spielzeugmuseum: 23. Januar, 6. und 20. Februar
jeweils um 11 Uhr.
Die Führung ist im normalen Eintrittspreis enthalten.

 


Spielen ist eine ganz ernste Sache
Lesung im Spielzeugmuseum

Kinder spielen sich ins Leben. So lernen sie den Umgang mit Dingen, Menschen, sich selbst und der Welt. Die sechs Autoren, die zur Mus[e]en-Lesung ins Spielzeugmueum luden, wissen das genau. Dank ihrer künstlerischen Seele ist ihnen klar, dass Spiel keine Spielerei ist, nichts zufälliges, sondern quasi der Hauptberuf jeden Kindes. Eine ernste Angelegenheit.

Und vor allem haben sie die schönsten Erinnerungen an die eigene Kindheit, die natürlich in ihren Texten aufschimmern. Von Moderator Holger Trautmann mit Charme durch die Nürnberger Sammlung geführt, hörten die Gäste Geschichten, die die Schriftsteller speziell für den jeweiligen Ort, für bestimmte Exponate, verfasst hatten.

Sprech-Chansonnier Michael Lösel begann mit einem melancholischen Talking-Blues über den Kreisel des Lebens, der mit dem Spielzeug beginnt, mit dem Liebes- und Alkoholkarussell weitergeht und in manch runder Bewegung endet. Seine Gitarre erzeugte als Soundhintergrund ganze Filme im Kopf. Dieter Diehnelt ließ sich von Abzähl-Reimen zu einer Reflexion über Konkurrenz und Mitmenschlichkeit inspirieren. Dann, passend in der Puppenhaus-Abteilung, Lösels modern-surreale Story von Nora, die sich selbst in der Puppenstube entdeckt.

Da kam eine Aufheiterung recht, die Paul Wolff mit seiner Kaufladen-Geschichte über ein pfiffiges Mädchen bot. Die Kleine zockt ihre Eltern ab, indem sie ihnen ihr unehrliches Verhalten vorhält. Diehnelt ergänzte das Mädchen-Sujet um ein "Püppchen", das romantischen Träumen nachhängt, aber von einem Mann ausgenützt wird. Weiblichkeit aus einer anderen Zeit. Unvermeidlich das Thema Modellbau. Bei Andreas Neuner opferte ein Mann 24 Jahre für eine 30 Quadratmeter-Welt und bekam Angst, als sie fertig war.

 

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Eindrücke von der Premiere am 14. November
"Kreisel und andere Zaubereien" im Spielzeugmuseum,
Fotos von Bob Radek und Chris Ebner
Michael Lösel: Kreiseln - Talking Blues
Dieter Diehnelt: Ich oder du
Michael Lösel: Noras Puppenhaus
Paul S. Wolff: Petras Kaufladen
Dieter Diehnelt: Das Püppchen
Andreas Neuner: Spurweite S
Dieter Diehnelt: Onkel Rudi
Günter Körner: Pingpong
Paul S. Wolff: Der Zauberkasten
Michael Lösel: Der Zinnsoldat
Alle: Im Gegenteil

Vor den 50er Jahre-Vitrinen berichtete Diehnelt etwas unkritisch von einem Kriegsonkel, der mit seinem Neffen Spielzeugpanzer baut.

Ein Höhepunkt war die Abschluss-Szene voller Wortwitz mit verteilten Rollen, bei der Vater und Sohn am Strand ein Ratespiel austragen. Eine gehalt- und gefühlvolle Führung, die das Spielzeugmuseum von innen interpretierte.

Claudia Schuller, Nürnberger Nachrichten 15. 11. 2010

 


Spülmaschinen und die Einsamkeit entlassener Arbeiter
"Die Fürther Straße entlang":
Rund 20 Besucher waren bei der ersten Mus[e]en-Lesung im Museum Industriekultur

Von Hoffnung und Enttäuschung sowie ganz persönlichen und zugleich kollektiven Erinnerungen wollte die erste Mus[e]en-Lesung im Museum Industriekultur erzählen. Gelungen ist ihr das auf vielfältig amüsante Weise.
Von Kindheits- und Jugenderinnerungen in der Fürther Straße, die "wahrlich keine Flaniermeile ist", erzählte Michael Lösel, der Initiator der Mus[e]en-Lesungen. Während ein Museumsfilm über die Nürnberger Gesetze aufklärte, näherte sich Dieter Diehnelt dem Justizpalast mit den "magnolienschönen" Bäumen auf lyrisch Weise an. Brav folgten die rund 20 Besucher im Museum Industriekultur der Schaffner-Kelle mit der Aufschrift "Die Fürther Straße entlang". Damit lotste der Moderator Holger Trautmann von Station zu Station.

Die literarische Führung durch die Adler-Sonderausstellung ist geschickt konzipiert. Nicht nur geografisch werden alle bedeutenden Punkte gestreift, auch in der Zeit schreitet die Lesung voran: Kaum wurde der Aufschwung mit Eisenbahn und Elektrogeräten bejubelt, beginnt schon der Abstieg. Petra Schneiders Werbegedicht über das "Erlebnisbad für Teller und Tassen" – die neue AEG-Spülmaschine – ist Vergangenheit, wenn sie kurz darauf über die Einsamkeit eines entlassenen Arbeiters erzählt.

Schwer ins Tragisch-Groteske übersteigert ist Günter Körners Beitrag über das Geschäft mit der Verzweiflungstat, über die ein ehemaliger Quelle-Mitarbeiter nachdenken könnte.

 

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Eindrücke von der Premiere am 2. Oktober
"Die Fürther Straße entlang ..." im Museum Industriekultur.
Fotos: Bob Radek, Chris Ebner

Als gewiefter Manager mit schwarzer Sonnenbrille und Quelle-Krawatte macht er den 90 Meter hohen Quelle-Turm als Sprungturm schmackhaft. Sein Poetry-Slam-haftes Fabulieren ist nicht nur inhaltlich, sondern auch qualitativ ein Höhepunkt der ungewöhnlichen Lesung. Über Abzeichen, Knöpfe, Anstecker und Schraubensammlungen wird dann allmählich die Gegenwart mit ihrem alltäglichen Verkehrschaos erreicht. Und auch wenn der Arbeitgeber nicht mehr Quelle, sondern Datev heißt, Wunder geschehen auch heute noch – so zumindest in der letzten Erzählung von Paul S. Wolff.

Weitere Führungen am 16. und 30. Oktober um 15.30 Uhr im Museum Industriekultur, Äußere Sulzbacher Straße 60.

Jasmin Siebert, Nürnberger Nachrichten 04. 10. 2010

 


Lesereihe in Museen
Es war einmal die Fürther Straße ...

Unter dem Namen "Mus[e]en-Lesungen" startet im Oktober eine neue Veranstaltungsreihe der verschiedenen städtischen Museen. Dabei tragen Frei Nürnberger Autoren eigens erstellte Texte zu den entsprechenden Museumsobjekten vor.
Die Literaten beginnen die neue Lesereihe begleitend zur Sonderausstellung "Die Strecke des Adlers" im Museum Industriekultur. So erschließen die Vortragenden mit ihren Texten die bedeutsamen Stätten der Fürther Straße wie die AEG, das Rio-Kino oder auch das bunte Viertel Gostenhof. Gemeinsam mit einem Moderator geht die Besuchergruppe durch den Ausstellungsraum, die Fürther Straße entlang. Durch die alten Bilder und Gegenstände fühlt man sich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt. Hierbei runden die vorgetragenen Texte die gewonnenen Eindrücke ab. "Man ließ sich von den historischen Gegebenheiten inspirieren", erläutert Michael Lösel, der Projektleiter und Initiator der Lesungen.

 

 

Genau das wurde deutlich als Dieter Diehnelt seinen Text "Magnolienschön" an der Station des Nürnberger Justizpalasts vortrug. So verbindet sein Text nicht nur historische, sondern auch persönliche Erinnerungen an das alte Gebäude, die er mit den Zuhörern teilt.
Schreitet man im Ausstellungsraum ein wenig weiter die Fürther Straße entlang, gelangt man zum alten Quellegelände. An dieser Stelle startet Günter Körner einen Angriff auf die Lachmuskeln der Museumsbesucher. In seinem satirischen Text "Der Quelleturm" reißt er voller Ironie künftige Verwendungsmöglichkeiten des Bauwerkes an. Vorbei an Nürnberger Schraubenfabrik und Rio-Kino endet der Rundgang schließlich am Plärrer.
Die Lesungen finden am 2., 16. und 30. Oktober, jeweils um 15.30 Uhr statt. Weitere Lesungen folgen ab November im Spielzeugmuseum.

sr, Nürnberger Zeitung 02. 10. 2010


Literarisch auf den Spuren des Adlers
Die erste Ausgabe der Mus[e]en-Lesungen bewegt sich "die Fürther Straße entlang"

Acht Nürnberger Autoren haben die Muse ins Museum gelockt und bieten literarische Führungen durch das Museum Industriekultur, das Spielzeugmuseum und das Dürerhaus.
Schrauben, Stiche von Dürer und selbst Spielzeug haben ihren Weg in die Museen gefunden, doch Wortspiele blieben bislang außen vor. Einer, der das ändern und die stummen Ausstellungsstücke zum Leben erwecken will, ist der freie Autor Michael Lösel aus Nürnberg. "'Muse' und 'Museum' haben etymologisch die gleiche Herkunft", erklärt der Erfinder und die treibende Kraft hinter den "Mus[e]en-Lesungen", die am kommenden Samstag mit einer literarischen Führung "Die Fürther Straße entlang" beginnen.
Normalerweise sind Ausstellungsstücke stumme Zeugen vergangener Zeiten, im Projekt "Mus[e]en-Lesung" werden sie zu Requisiten von Kurzgeschichten. Die Geschichten mit einer maximalen Länge von zehn Minuten wurden extra für das jeweilige Museum geschrieben und thematisieren eine mögliche – aber nicht notwendigerweise historisch verbürgte – Vergangenheit der ausgestellten Gegenstände.

 

 

 

Die eigene Erinnerung oder der persönliche Bezug des Autors zu einem bestimmten Ausstellungsstück ist immer der Aufhänger für die Geschichte.

Der erste literarische Gang durch die Sonderausstellung "Die Strecke des Adlers" im Museum Industriekultur, Äußere Sulzbacher Straße 60, ist am Samstag, 2. Oktober um 15.30 Uhr und wird am 16. und 30. Oktober zur gleichen Zeit wiederholt. Außer dem Museumseintritt fallen keine weiteren Kosten an.
Die zweite Folge der Mus[e]en-Lesungen beginnt am
14. November im Spielzeugmuseum und dreht sich bis Februar 2011 um "Kreisel und andere Zaubereien".
Im Dürerhaus lautet von März bis Mai 2011 das Motto "Stiche und andere Spitzfindigkeiten". "Fleiß und andere Kostbarkeiten" sind das Thema im Museum Industriekultur ab September 2011.
Alle Termine unter:
http://sprechchansonnier.michael-loesel.de
Wer als Autor teilnehmen möchte, kann eine E-Mail an info@michael-loesel.de schreiben.

Jasmin Siebert, Nürnberger Nachrichten 30. 09. 2010

In Nürnberg boomt die Leselust
Literatur auf Bestellung - Lesen und lesen lassen: Neue Initiativen in Nürnberg

PressefotoFoto: Stefan Hippel

NÜRNBERG - Gelesen wurde bisher schon regelmäßig im Literaturhaus, in den Kulturläden und Buchhandlungen, im Zeitungscafé der Stadtbibliothek und bei den Mittagslesungen im Künstlerhaus und im Bildungszentrum. Mal lesen prominente Autoren, mal unbekannte Bücherfreunde. [...]

"Literaturding" für Autoren aus der Region

[...] Einen ganz anderen Ansatz verfolgen die Autoren Andreas Neuner und Michael Lösel, die das Problem der Literaturvermittlung in Nürnberg grundsätzlich angehen und große Pläne schmieden. Sie haben den Verein Literaturding gegründet, der sich als Netzwerk und Plattform für Autoren aus der Region versteht.

Unter dem Vereinsdach laufen bisher drei Langzeitprojekte: Die ambitionierte Literatur-Zeitschrift Blumenfresser, die Autorengruppe Wortwerk und die Textarena, eine offene Lesebühne in der Zwingerbar. »Wir wollen einheimische Autoren, die überwiegend Einzelkämpfer sind, stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen«, erklärt Michael Lösel. Das Literaturding versteht sich als Dachverband, der grundsätzlich offen ist für alle Autoren, bekannte ebenso wie unbekannte. Angestrebt wird auch eine Kooperation mit Institutionen, die sich bisher schon mit dem Thema Literatur und Leseförderung beschäftigt haben.

 


 

 

 

Konkrete Pläne

Es gibt auch schon zwei konkrete Projekte: Das eine ist eine Lange Lyrik-Nacht, die am 29. Oktober im Künstlerhaus stattfinden soll. Mit unkonventionellen Auftritten sollen fünf Autoren vor allem ein junges Publikum für zeitgenössische Poesie begeistern. »Lyrik berührt, Lyrik ist spannend, Lyrik macht Spaß«, erklärt Andreas Neuner.
Das zweite Projekt ist auf Dauer angelegt: Eine Reihe von Lesungen in den Städtischen Museen. Das Besondere daran ist, dass die Lesungen im Rahmen des normalen Museumsbetriebs, also nicht als Sonderveranstaltungen, stattfinden. Die Texte wurden speziell für das Museum Industriekultur, das Dürer-Haus und das Spielzeugmuseum geschrieben und setzen sich mit Ausstellungsstücken, aber auch mit historischen Ereignissen und persönlichen Erlebnissen auseinander.
Los geht es am 2. Oktober im Museum Industriekultur: Unter dem Motto "Die Fürther Straße entlang" gibt es ein literarisches Begleitprogramm zu der Eisenbahn-Ausstellung "Die Strecke des Adlers".
Im Spielzeugmuseum sollen ab November Lesungen unter dem Motto "Kreisel und andere Zaubereien" stattfinden. Und im Dürer-Haus finden ab März abendliche Lesungen unter dem Titel "Stiche und andere Spitzfindigkeiten" statt. Insgesamt sind bisher
20 Veranstaltungen geplant. Die Autoren-Projektgruppe (Michael Lösel, Andreas Neuner, Leonhard F. Seidl, Günter Körner, Holger Trautmann, Petra Schneider, Dieter Diehnelt und Paul S. Wolff) bereitet die Museumslesungen seit einem Jahr vor.

Angedacht sind auch eine Begleitbroschüre und ein Hörbuch mit den Textbeiträgen der Autoren.

Steffen Radlmaier, Nürnberger Nachrichten 30. 7. 2010